INTERVIEW MIT NADINE BESSON-STRASSER

Women in Wine

Ich bin Nadine Besson-Strasser, Oenologin, und leite unser biodynamisches Weingut Besson-Strasser am Rheinfall in zweiter Generation gemeinsam mit meinem Mann Cédric Besson. Was meine Eltern aufgebaut haben, führen wir mit Überzeugung weiter – mit lebendigen Böden, Handarbeit und dem Anspruch, die Herkunft im Glas spürbar zu machen. Nebenbei bin ich Mutter von zwei Teenagern und weiss deshalb: Gute Dinge brauchen Zeit – und manchmal starke Nerven.

 

 

Wie stellst du dich normalerweise vor, wenn du dich nicht mit anderen Weinprofis unterhältst?

Als Winzerin, da bei uns in der Region keiner weiss, was Oenologen so machen und es meist verwechseln mit dem Urologen…

 

Erinnerst du dich an den Moment, in dem du dachtest:
„Ja – genau das möchte ich machen“?

Oh ja, sehr genau, denn ich wollte eigentlich Lehrerin werden und machte Matura. Anschliessend durfte ich ein paar Monate in Kalifornien für einen Sprachaufenthalt geniessen und dabei habe ich natürlich das Napa Valley und all seine schönen Weingüter besucht. Da habe ich erst gesehen, wie schön es sein kann auf einem Weingut, denn zuhause sieht man ja nur die Arbeit, zB wenn wir in den Ferien Wümmen oder Wein abfüllen mussten. In der Ferne lernt man bekanntlich das Eigene schätzen… auf alle Fälle war es von da an für mich klar, dass es Oenologin sein musste, und ich wollte es bei einer Frau lernen und hatte das Glück, es bei Marie-Thérèse Chappaz zu lernen, die damals noch sehr klein und familiär unterwegs war, so dass ich noch heute guten Kontakt zu ihr habe.

 

Wenn deine Weine eine Persönlichkeit hätten – wie würdest du sie beschreiben?
Ich denke, wie eine Schulklasse eben auch, da hat es eher ruhige Kandidaten, die etwas Zeit brauchen, bis sie sich öffnen, und dann hat es solche, die etwas anecken, da sie halt auch noch Ihre «ungeschliffene» Art haben. Aber es sind alles ehrliche Weine ohne Schnickschnack mit einer Persönlichkeit.

 

Was überrascht Menschen oft an deinen Weinen, deiner Region oder deinem Arbeitsalltag?
Vor allem die Region ist bei uns noch sehr unbekannt, obwohl wir den schönsten Namen «Zürcher Weinland» tragen. Aber wir arbeiten dran und wer weiss, wenn sich mehrere Winzer in unserer Region mit guten Weinen positionieren können, werden wir auch eher zum Begriff, so wie es unsere Bündner Kollegen geschafft haben. Aber es macht schon jetzt Freude, wenn wir Besucher aus der Westschweiz haben und sie sich so in unsere Region verlieben, dass sie aus einem Tagesaufenthalt grad mehrere Tage machen, da sie das Schwimmen im Rhein, die Biketour im Cholfirst oder das Wandern in den Weinbergen entdeckt haben.

 

Deine liebste Art, deine Weine zu geniessen:
Eigentlich trinken wir fast nie unseren Wein, da es noch soviele andere Weine zu entdecken gibt. Wenn, dann ein gereifter Jahrgang zu einem feien Essen, mit den Menschen, die ich mag und die den Wein auch schätzen. Das müssen keine Profis sein, aber die Wertschätzung und das Interesse an Wein muss man spüren

 

Eine Speisenkombination, die du liebst – abseits der klassischen oder erwarteten Pairings?
Riesling und Ceviche geht immer… aber ich bin immer offen für Neues!

 

Ein kleines Ritual oder eine Gewohnheit, die zu deinem Alltag gehört – besonders während der Lese?
Während der Lese sind wir als Team wie eine Familie, da wird gemeinsam gegessen und getrunken. Und jeden Abend gibt was Feines ins Glas von Winzerkollegen (meist F & D), wenn wir mal Pause im Keller machen, das gibt Energie & Motivation für Geist und Körper…

 

Was bedeutet „Women in Wine“ für dich persönlich?
Women in Wine
– ein guter Austausch unter uns Winzerinnen/Oenologinnen, denn unsere Vereinigung «Nous Artisanes» stellt genau das in den Vordergrund. Frauen die ihre Weine vom Weinberg über den Keller bis in die Flasche begleiten. www.artisanes.ch

 

Vervollständige den Satz:
Ein grossartiges Glas Wein sollte dich berühren… und positive Emotionen auslösen.